Schreibstrategien: Welcher Schreibtyp sind Sie?
Kategorie: Aus der PraxisMit jedem Satz, den Sie schreiben, schöpfen Sie Sprache neu. Schreiben ist immer kreativ, immer wieder müssen Texte pragmatischen, aber auch ästhetischen Anforderungen genügen. Beim Schreiben brodelt es im Kopf, will heißen: Es laufen zahlreiche kognitive Prozesse ab, die den Vorgang ungeheuer komplex werden lassen. Um mit dieser Vielfalt umzugehen, hat die Wissenschaft unterschiedliche Schreibstrategien entwickelt. Hanspeter Ortner, Professor am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck, nimmt an, dass jeder Schreibende nach einer bestimmten Strategie vorgeht. Dies hängt zum Beispiel von der Schreibaufgabe oder der bislang als erfolgreich erlebten Strategie ab. Vielleicht erkennen Sie sich in einer der folgenden Strategien wieder?
Nicht-zerlegendes Schreiben
Schreiben ohne lange nachzudenken und zu korrigieren. Schreiber, die zu diesem Typus gehören, nennt Ortner auch „Aus-dem-Bauch-heraus-Schreiber“ oder „Flow-Schreiber“.
Schreiben von Text zu einer Idee
Der Schreiber lässt sich durch Themen oder Figuren inspirieren. Das Thema wird durch die Idee „ferngesteuert“, der Autor schreibt seinen Text, mehr nicht. Zum Thema wird das gesamte Wissen wiedergegeben, fast ohne zu korrigieren.
Schreiben von Textversionen zu einer Idee
Zu einer Idee werden unterschiedliche Textvarianten verfasst. Das Schreiben wird in eine konzeptuelle Ebene und eine Ebene der Textversionen zerlegt. Korrekturen erfolgen höchstens auf Satzebene, das heißt an jedem Satz wird so lange gefeilt, bis er passt.
Redaktionelle Arbeit an Vorfassungen
Der Schreiber erstellt zunächst eine Vorfassung als Grundlage, die dann bearbeitet und redigiert wird. „Aus einer Altversion mach eine Neuversion“. Korrigiert wird das, was stört.
Planendes Schreiben
Der Fokus liegt hier auf der gesamten Textstruktur. Durch einen Plan beziehungsweise eine Gliederung erhält der Text ein Gerüst.
Ausarbeitung des Textes im Kopf
Bei dieser Strategie entwickeln Schreiber den Text schon im Kopf, schreiben ihn vor und formulieren in dann sofort. Die Idee fürs Umsetzen in Text passiert im Kopf, das Schreiben passiert hinterher – zwei voneinander getrennte Prozesse. Niederschriften für gespeicherte Gedanken gibt es nicht.
Schrittweises Vorgehen
Diese Strategie wird besonders bei Texten angewandt, die nicht besonders kreativ sind, also etwas wissenschaftlichen Arbeiten. Die Texterstellung erfolgt relativ geradlinig und rational, alles nach einer strengen Reihenfolge, ein Schritt folgt dem anderen.
Verschmelzend-schrittweises Schreiben
Das Prinzip hier heißt „Working by chaos“. Immer wieder wird mit neuen Textteilen angefangen und alte liegen gelassen. Auch einzelne Textteile werden miteinander verknüpft.
Schreiben von Textteilen
Der Schreiber schreibt nicht in einer linearen Reihenfolge, sondern beginnt etwa mit dem Schluss oder dem Hauptteil und nicht mit der Einleitung. Diese Strategie ist typisch für Romane, wo der Schreiber wissen muss, wie er ausgeht. Die einzelnen Textteile werden in beliebiger Reihenfolge bearbeitet, ohne vorher zu wissen, wie das Gesamtbild des Textes aussieht.
Schreiben nach dem Puzzle-Prinzip
Wie der Name schon vermuten lässt handelt es sich um eine extrem zerlegende Strategie. Der Schreiber schreibt ohne Überblick und ohne Gliederung. Auch das Ende des Textes ist oft nicht klar, so dass Texte manchmal gar nicht beendet werden.

